Josef K. 7

Man stelle sich Josef K. vor…

 

…als einen nach außen hin gewöhnlichen Mann mit einem sehr anständig wirkenden Beruf. Gut gekleidet, unauffällig und mit einem Gesicht, das man wahrscheinlich sofort wieder vergisst.

Er denkt viel nach. Um genau zu sein scheint er  es gar nicht zu können, eine Möglichkeit zu versäumen, etwas zu überdenken und jeden Weg überlegt zu durchgrübeln, der sich ihm bietet.

Später denkt er vielleicht zu viel nach.

Einsam war Josef K. vielleicht immer, aber wirklich verlassen fühlt er sich erst jetzt. Er fürchtet sich so sehr vor dem Urteil anderer, dass er gar nicht bemerkt, dass er dieses Weiterlesen

Josef K. 6

Man stelle sich Josef K. vor ….

als jemanden, der Probleme mit der Welt, die ihn umgibt, hat. Er passt einfach nicht hinein. Sein Innenleben ist von Irrationalitäten geprägt, er selbst steht ganz allein da und seine psychische Disposition hindert ihn an jedem positiv geprägten Verhältnis zu anderen Menschen, zur Welt schlechthin. So ist er gescheitert und zum Scheitern verurteilt, bis er selbst daran zerbricht. Dadurch, dass er bereits zu Beginn des Romans in der Welt gescheitert ist, ist ein weiteres Scheitern vorprogrammiert – seine Schuld erwächst aus dem undurchsichtigen Wirrwarr seines Innenlebens. Am Ende begrüßt er fast den Tod, der ihn doch von der quälenden Last weiterer Misserfolge und Rückschläge befreit.

 

Theo Lappe

 

Kafka und sein Vaterkomplex Parallelen in „Der Prozess“ und „Brief an den Vater“

von Theophil J. M. Lappe

Zwischen Sommer 1914 und Januar 1915 schrieb Franz Kafka an dem unvollendeten Roman „Der Prozess“, welcher 26. April 1925 posthum veröffentlicht wurde. Seitdem gibt der vielseitig interpretierbare Stoff Anlass zur Diskussion. Einer von vielen wird hier erläutert; nämlich der autobiografische/psychoanalytische Deutungsansatz. Dabei werde ich einen Brief zur Hilfe nehmen, welchen Kafka vermutlich zwischen dem 10. und 13. November 1919 an seinen Vater schrieb, ihn jedoch nie abschickte. Ich werde mein Hauptaugenmerk auf die Vater-Sohn-Beziehung richten und darauf eingehen, ob und inwieweit sie sich in ihren Grundzügen im „Prozess“ wiederfindet.

In Kafkas „Der Prozess“ sieht sich der Protagonist Josef K. urplötzlich, ohne dass er sich irgendeiner Schuld bewusst wäre, verhaftet. Während des folgenden Prozesses tritt Josef K. einem zwielichtigem Gericht gegenüber, das ganz eigene und doch maßgebende Methoden und Grundsätze hat. So ist beispielsweise Sexualität ein häufig aufgegriffenes Thema. Das Gericht und der dazugehörige Untersuchungsrichter beziehen in dem Roman eine antagonistische Stellung und am Ende scheint Josef K.s Schuldbewusstsein zu wachsen und er wird hingerichtet. Weiterlesen

Josef K. 5

Man stelle sich Josef K. als einen Mann vor, der sein Leben für einen Prozess aufgibt, der scheinbar nur in seinem Kopf existiert.
Aus einem selbstsicheren und ordnungsliebenden Mann entwickelt sich langsam ein orientierungsloser und verlorener Mensch.
Seine Prioritäten im Leben ändern sich. Er steckt seine ganze Kraft nicht mehr in seine Arbeit, sondern in den Prozess. Er versucht das Gericht zu verstehen, doch das Wesen des Gerichts liegt im Dunklen verborgen.  Weiterlesen

Josef K. 4

Man stelle sich Josef K. als einen Menschen vor, der sich bedroht fühlt. Wovon, das vermag er nicht zu sagen. Möglicherweise handelt es sich um eine ihm verborgene, aber erahnbare Schuld an etwas oder für etwas, das er ebenfalls nicht wissen will oder kann.

Nun setzt sich die Maschinerie in Gang.

Wofür steht „der Prozess“, der ihm gemacht wird? Für sein Ende? Er weiß es genauso wenig wie der Leser. Weiterlesen

Josef K. 3

Man stelle sich Josef K. vor  als einen Verschlüsselten, von dem man scheinbar nur sein Alter und seinen Beruf kennt. Wenn man jedoch genauer hinsieht, ist es möglich, tief in sein Inneres zu sehen und dort eine innere Instanz zu erkennen – das Gericht.

Man stelle sich Josef K. vor als einen  Suchenden auf der Suche nach einer Antwort auf seine persönliche Schuld. Während er auf  dieser Suche ist, macht er sich immer wieder erneut schuldig.

Man stelle sich Josef K. vor als einen Opportunisten, der keine sozialen Beziehungen eingeht, sondern Menschen nur zu  instrumentalisieren versucht, der von seinen Trieben gesteuert ist und den Zwang  verspürt, ständig überlegen zu sein.

Man stelle sich Josef K. vor als einen im System  Gefangenen. Dieses System verwandelt ihn in einen Menschen, der die Grundsätze der Gesellschaft weder achtet noch nach ihnen handelt. Und scheinbar ohne es zu bemerken, geht er in diesem System zu Grunde.

Man stelle sich Josef K. vor als einen von seiner Schuld Verfolgten, der offensichtlich bereits verurteilt ist, aber nicht weiß warum, der das Gesetz sucht, aber nur ein zwielichtiges Gericht findet und der sich in dieser Undurchsichtigkeit verloren hat.

Anna-Lena Krapp