Monolog zu Sturm und Drang

Wie komme ich hier raus? Wo soll ich hin? Was wollen eigentlich alle von mir!?
Meine Eltern sind so anstrengend! Ständig muss ich die Drecksarbeit machen und bekomme nichts dafür. Im Garten ackern, den Hund füttern und sogar seine spießige Firma soll ich übernehmen. Von wegen!! Ich werde niemals so sein wie mein Vater! Seine Arbeit ist falsch und basiert doch bloß auf Ausbeutung. Ich will etwas ehrliches machen, etwas mit Gefühl und Leidenschaft. Vielleicht werde ich Musiker, die reisen doch alle um die Welt. Erst letztens habe ich mit Alex darüber gesprochen. Er findet auch das wäre etwas für mich. Er kann sich viel besser gegen seine Eltern durchsetzen und lässt sich nichts  vorschreiben. Ganz nach dem Motto „Raus aus dem Determinismus“. Zwar haben seine Eltern auch ständig versucht, ihn in die Kirche zu schleifen und ihm Regeln aufzuzwingen, aber vergebens. Er findet auch, dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen muss, Gott spielt da eine Nebenrolle. Meine Eltern behaupten doch allem Ernstes er wäre ein schlechter Einfluss und ich solle mich von ihm fernhalten. Auch hier wollen sie mich bevormunden. Am liebsten würde ich alles hinter mir lassen und abhauen. Raus aus der Stadt mit ihrer Modernität und Schnelllebigkeit, zurück zur Natur. Viel lieber würde ich die Freiheit genießen. Den Wind in den Haaren und die Sonne auf der Haut spüren. Einfach einen VW-Bus kaufen und alle kommen mit. Zunächst würde ich mich sogar mit deutschen Städten zufrieden geben. Vielleicht Göttingen oder Stuttgart. In meiner Clique sind ja die meisten über zwanzig, das sollte kein Problem sein. Die machen alle ihr Ding und sind kreativ. Musiker, Künstler, Literaren. Nichts kann uns halten! Außer ihr…Meine Freundin engt mich langsam ein. Und doch liebe ich sie mehr als alles andere. Sie ist so rein und wunderschön wie tausend Brillanten. Mein Schmuckstück in dieser trostlosen Welt. Nur…zieht sie mit ihrer Schönheit nicht nur mich an. Wen will sie imponieren wenn sie bereits zu mir gehört!? Was sollte sie besseres finden? Sie sollte sich glücklich schätzen denn ich könnte jede haben…aber eine Heirat, wie sie es sich wünscht..ist mir dann doch zu viel. Was soll’s? Sie ist mein!

E. & C.

„Der Prozess“ Szenenanalyse „Maler“

Das 1914-1915 von Franz Kafka geschriebene Romanfragment „Der Prozess“, das 1925 posthum veröffentlicht wurde, behandelt die Thematik des Umgangs mit persönlicher Schuld und des Wesens von Gericht und Gesetz.

Der vorliegenden Textstelle geht die unerwartete Verhaftung des Protagonisten, Josef K.s, einem Prokuristen einer Bank voraus. Josef K. wird jegliche Auskunft über den Grund seiner Verhaftung verweigert und er erhält lediglich die Aufforderung vor dem Untersuchungsgericht zu erscheinen. Dort beleidigt er den Untersuchungsrichter und verliert damit sein Anrecht auf ein Verhör. Vor der Kommission beharrt er auf seiner Unschuld, die diese aber nicht anerkennt. Seine Fixierung auf das Gericht bringt ihn dazu, dieses die darauffolgende Woche erneut aufzusuchen. Allerdings erleidet K. einen Schwächeanfall und beschließt seine Sonntage in Zukunft nicht mehr im Gericht zu verbringen. Nach den nun folgenden vergeblichen Bemühungen seines Onkels mithilfe eines Armenadvokaten K.s Unschuld zu beweisen, welcher allerdings nur untätig herumsitzt, beschließt K. selbst eine Eingabe für das Gericht zu verfassen. Allerdings führt dies dazu, dass K. sich durch den Prozess immer weiter von seiner Arbeit ablenken lässt und schließlich verlässt er seine Arbeitsstelle am helllichten Tag um auf Rat eines Bankkunden den Maler Titorelli, einen Vertrauensmann des Gerichts, aufzusuchen.

In der vorliegenden Textstelle diskutieren Titorelli und K. den Gegenstand der Schuld und die Rolle des Gerichts bezüglich K.s Anklage und Titorelli eröffnet K., dass trotz seiner Unschuld, auf der K. beharrt, er nicht mit einem Freispruch rechnen kann.

Zentrales Thema des Dialoges stellt K.s vergebliches Bemühen hinsichtlich seiner Unschuld dar, denn er befindet sich momentan in der Situation, dass der Prozess ihm keine Ruhe mehr lässt und die Deutungshoheit über sein Leben besitzt. Des weiteren lässt sich im Bezug auf die Gesprächsstruktur der vorliegenden Szene nennen, dass K. sich als Ziel des Gespräches erhofft, dass Titorelli die Eingeschworenen des Gerichts als deren Vertrauensmann von K.s Unschuld überzeugt (S. 107, Z. 10, 21). Der Maler hingegen enthüllt K. gegenüber, dass das Gericht niemals von seinem Urteil abweicht (S. 107, Z. 33). Der Maler verfolgt demnach, im Gegensatz zu K. die Intention, diesem das vergebliche Bemühen seine Unschuld zu beweisen, auszureden. Durch dieses Ausreden, tritt der Maler als „Widersprecher“ auf, welcher K.s Anliegen nicht unterstützen kann und gleichzeitig das Gespräch als dominanter Part steuert, indem er die Einsicht in das Tun des Gerichts besitzt und aufgrund dessen zusätzlich herablassend mit K. spricht (S. 107, Z. 19, 24, 32ff). Da der Gegenstand des Gerichts das Thema des Dialogs darstellt, unterhalten sich K. und Titorelli auf einer sachlichen Ebene (u.a. S. 106, Z. 1ff, 19f, insbesondere ab S. 107, Z. 5) was wiederum mit der lockeren Atmosphäre (S. 106, Z. 35f, 40-5) im Widerspruch steht.

Berücksichtigt man K.s Situation so lässt sich sagen, dass dieser zunehmend unzufrieden und ungehalten wird, da die Arbeit des Advokaten keinerlei Früchte zu tragen scheint und durch dessen untätiges Herumsitzen die von K. beteuerte Unschuld vor dem Gericht nicht weiter gestützt werden kann. Wie bereits angesprochen, lenkt ihn die Fixierung auf den Prozess (S. 107, Z. 5 „alles andere vergessen ließ“) von der Arbeit ab und der Stellvertreter des Bankdirektors übernimmt einen Großteil von K.s Aufgaben. Indem K. persönlich den Maler aufsucht nimmt er dadurch seinen Prozess selbst in die Hand und beharrt im Gespräch mit Titorelli auf seiner Unschuld (S. 107, Z. 6 und 10) Der Maler erläutert die Aussichtslosigkeit des Prozesses und behauptet, dass K. seine Unschuld vor dem Gericht nicht beweisen könne und das Gericht in dem Zeitpunkt, wo es jemanden anzeigt, immer von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist (S. 107, Z. 33-36). Wie auch in der Szene, wo K. freiwillig das Gericht eine Woche nach seiner Vorladung für das Untersuchungsgericht erneut aufsucht, verdeutlicht dieser Romanausschnitt, dass der Prozess ihm die Luft zum Atmen nimmt (S. 106, Z. 30, 38-40).

Im Bezug auf die erzählerischen Gestaltungsmittel nutzt der Autor die Erzählperspektive der 3. Person, welcher den Erzählstandort eines personalen Erzählers aus K.s Sicht verkörpert. Des weiteren handelt es sich in dem vorliegenden Abschnitt um eine Rahmenhandlung. Die Erzählhaltung des Erzählers lässt sich als verurteilend und distanziert beschreiben, denn der Erzähler sympathisiert nicht mit der Figur. Durch das personale Erzählen findet man viel erlebte Rede, welche die gesamte Textstelle in Dialogform zwischen dem Maler und K. durchzieht.

Dadurch, dass der Autor Gebrauch von einer schnörkellosen und sehr präzisen Schriftsprache mit oftmals sehr verschachtelten Sätzen macht, lassen sich in „Der Prozess“ und somit auch in der vorliegenden Textstelle durch den sachlichen Ton der beiden Gesprächspartner keine sprachlichen Mittel finden.

In dieser Textstelle wird der zentrale Aspekt der Schuld demnach in einem Dialog zwischen Titorelli und K. angesprochen. An sich gilt für die beiden nicht, zu definieren, was Schuld darstellt und wie sie zustande kommt, sondern der Annahme K.s, unschuldig zu sein, widerspricht Titorelli in keinem Augenblick. Allerdings verdeutlicht der Maler K., dass die mögliche Schuld, ob existierend oder nicht, keinen Grund für einen Freispruch darstellt und es somit nicht von Wichtigkeit ist, diese zu beweisen.

„Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.“ Mit diesen Worten beginnt der Roman. Dem Leser wird bereits zu Anfang deutlich, wie es sich mit der Frage der Schuld verhält, denn die Schuld wird bereits hier als gegeben vorausgesetzt, ohne dass die Frage einer tatsächlichen Schuld bzw. Unschuld angesprochen wird.

Zunächst einmal lässt sich durch eine werkimmanente Interpretation festhalten, dass K. vehement auf seiner Unschuld beharrt und dies immer wieder vor anderen Gesprächspartnern behauptet (wie auch in der vorliegenden Szene). Besonders deutlich wird dies bei seinem beleidigenden und überheblichen Auftritt vor dem Untersuchungsrichter, was ihn gleichzeitig vor dem Gericht erneut schuldig macht, da er dessen Autorität bezweifelt. Außerdem urteilt er sehr schnell über andere Menschen und ihre Schuld oder Unschuld in vielerlei Hinsicht (nicht nur vor dem Gesetz). Dieses vorschnelle Urteilen und beständige Abstreiten seiner Schuld (wäre er nicht schuldig, würde er sich gelassen vor dem Untersuchungsgericht präsentieren) sprechen für Schuldgefühle K.s, welche wiederum als verstecktes Zeichen für eine Schuld gesehen werden können. Auch die Unsicherheit und gespielte Dominanz die ihn während seiner Verhaftung und im folgenden Prozess begleitet deutet auf seine Schuld hin. Diese Indizien lassen sich womöglich auf ein schlechtes Gewissen zurückführen. Außerdem trägt K. durch seine wiederholten Versuche Fräulein Bürstner für sich zu gewinnen eine moralisch-ethische Schuld und ist für die Demütigung der Wächter in der Prüglerszene mitschuldig, da er sich passiv verhält.

Für seine Unschuld spricht aber, dass K. von Anfang an als schuldig bezeichnet wird und keinerlei Möglichkeit für ihn besteht, diese Annahme zu widerlegen. Durch einen politisch-historischen Deutungsansatz lässt sich dieser Umstand mit Machtapparaten (u.a. der DDR, Hitlerregime) vergleichen, welche ohne triftigen Grund Menschen angeklagt und verhaftet oder exekutiert haben, ohne einen rechtsstaatlichen Prozess zu erhalten. Diese Deutung stellt K. als das Opfer höherer Machtinstanzen dar, welches nichts gegen das ausgesprochene Urteil unternehmen kann, obwohl es seiner Unschuld bewusst ist.

Durch die vielen Indizien der werkimmanenten Deutung ergibt sich meiner Meinung nach die Schuld K.s. Allerdings nicht vor einer höheren Instanz, sondern nur vor sich selbst. Also ist sein „innerer Gerichtshof“ (siehe Kant) in einem Konflikt mit sich, in dem es gilt über K.s fehlende moralische Grundsätze (ausgeprägter Sexualtrieb, im Beruf der Zwang anderen überlegen zu sein, usw.) zu urteilen und ob diese ihn schuldig machen oder nicht. K. macht sich neben seinen ethisch verwerflichen Taten, wie der Verneinung der Autorität des Untersuchungsgerichtes oder dem unangebrachtem Körperkontakt mit Fräulein Bürstner auch für das schuldig, was er nicht getan hat (u.a. Hilfestellung bei Prüglerszene). Was auch für die Schuld K.s spricht ist, dass das Gericht allein passiv handelt und sich der Angeklagte somit selbst seinen Prozess mach (siehe Gericht wird von Schuld angezogen) und dafür die Schuld des Angeklagten als Voraussetzung gilt.

Jana H.